Danuta Maria Hübner, Polen, MdEP von 2009 bis 2024


MEP Danuta Maria HübnerDanuta Maria Hübner bei der Debatte zum Reflexionspapier zur Vertiefung der WWU bis 2025 in der Plenarsitzung vom Juni 2017 in Straßburg © Europäische Union 2017 - Europäisches Parlament

Fraktionen

2009-2024: Fraktion der Europäischen Volkspartei (Christdemokraten)

Nationale Parteien

2009-2024: Platforma Obywatelska

Biografie

Danuta Maria Hübner wurde in Nisko in Polen geboren. 1971 erhielt sie das Diplom in Wirtschaftswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Warschau. 1974 promovierte sie und 1980 erfolgte die Habilitation an ebendieser Universität. Sie war 1974 Gastwissenschaftlerin am Centre for European Studies an der Universität Sussex sowie an der Universidad Autonoma in Madrid. Von 1988 bis 1990 war Hübner Fulbright-Stipendiatin an der University of California in Berkeley.

Von 1981 bis 1987 war sie stellvertretende Leiterin des Forschungsinstituts für Entwicklungsländer an der Wirtschaftsuniversität Warschau. Hübner war außerdem von 1991 bis 1994 stellvertretende Leiterin des Instituts für Entwicklung und strategische Studien in der zentralen Planungsbehörde in Warschau. 1992 wurde sie Professorin für Wirtschaftswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Warschau und hielt auch Vorlesungen an der California State University und an der Universidad Autonoma in Madrid. Von 1991 bis 1997 war sie stellvertretende Chefredakteurin der alle zwei Monate erscheinenden polnischen Zeitschrift Ekonomista, und von 1994 bis 1997 war sie Chefredakteurin der Gospodarka Narodowa, einer wirtschaftswissenschaftlichen polnischen Monatszeitschrift.

Ihre politische Laufbahn begann sie im Jahr 1992 als Vorsitzende des Sozialen Planungsrates in der zentralen polnischen Planungsbehörde – eine Position, die sie bis 1996 innehatte. Danach blieb sie auf nationaler Ebene politisch tätig. Von 1994 bis 1996 war sie Unterstaatssekretärin im Ministerium für Industrie und Handel, wo sie für die europäische Integration sowie für kleine und mittlere Unternehmen zuständig war. Von 1994 bis 1995 war sie Beraterin des stellvertretenden Ministerpräsidenten und Finanzministers und Mitautorin des Regierungsprogramms „Eine Strategie für Polen“. Sie war in den Jahren 1995 und 1996 Chefunterhändlerin für die Mitgliedschaft Polens in der OECD. Von 1996 bis 1997 war Hübner Staatssekretärin für europäische Integration. Von 1997 bis 1998 leitete sie die Kanzlei des Präsidenten der Republik Polen, Aleksander Kwaśniewski, und war von 1998 bis 2001 dessen wirtschaftspolitische Beraterin. 1998 wurde sie stellvertretende Exekutivsekretärin der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen in Genf und war von 2000 bis 2001 Exekutivsekretärin im Rang einer stellvertretenden Generalsekretärin der Vereinten Nationen. Zwischen 2001 und 2003 war sie als Leiterin des Büros des Ausschusses für europäische Integration und Staatssekretärin im Außenministerium tätig. Von 2003 bis 2004 war sie unter Ministerpräsident Leszek Miller Ministerin für europäische Angelegenheiten der Republik Polen. In dieser Eigenschaft war sie für die Beitrittsverhandlungen zwischen Polen und der EU zuständig und vertrat die Regierung Polens beim Konvent über die Zukunft Europas.

MEP Danuta Maria HübnerTreffen EU-Polen im Europäischen Parlament. V. l. n. r.: Jean-Louis Bourlanges, Jozef Olessky, Danuta Maria Hübner, Jan Truszcyński, Jaroslaw Pietras © Europäische Union 2002 - Europäisches Parlament

Nach dem Beitritt Polens zur EU im Jahr 2004 wurde Danuta Maria Hübner Mitglied der Europäischen Kommission zuständig für Handel und wurde zur Kommissarin für Regionalpolitik ernannt – eine Position, die sie bis 2009 innehatte.
Von 2006 bis 2007 gehörte Hübner der Amato-Gruppe an, einer Gruppe hochrangiger europäischer Politiker, die inoffiziell an der Neufassung des Vertrages über eine Verfassung für Europa arbeiteten, woraus schließlich der Vertrag von Lissabon entstand.

Von 2009 bis 2024 war Hübner Mitglied des Europäischen Parlaments für Polen. Sie vertrat den Wahlkreis Warschau und gehörte der EVP-Fraktion an. Von 2009 bis 2014 war sie Vorsitzende des Ausschusses für regionale Entwicklung und von 2014 bis 2019 Vorsitzende des Ausschusses für konstitutionelle Fragen. Von 2019 bis 2024 war sie Mitglied im Ausschuss für internationalen Handel und im Ausschuss für Wirtschaft und Währung sowie Stellvertreterin im Unterausschuss für Steuerfragen und im Ausschuss für konstitutionelle Fragen. Neben ihren Aufgaben in den Ausschüssen war Hübner in der Delegation des Parlaments für die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten (Vorsitzende von Januar bis Juli 2024), der Delegation im Gemischten Parlamentarischen Ausschuss EU-Mexiko und der Delegation in der Parlamentarischen Versammlung Europa-Lateinamerika tätig. Sie war außerdem in der 2021 gegründeten Delegation in der Parlamentarischen Partnerschaftsversammlung EU-Vereinigtes Königreich aktiv.

Am 15. September 2010 trat sie der Spinelli-Gruppe im Europäischen Parlament bei und war auch Mitglied der Interfraktionellen Arbeitsgruppe „Sport“ des Europäischen Parlaments. Von 2014 bis 2019 war sie Mitglied des Beratenden Ausschusses zum Verhalten von Mitgliedern.

2015 war Hübner Mitberichterstatterin des Parlaments zu einer Reihe vorgeschlagener Änderungen des EU-Wahlrechts mit dem Ziel, die Vielzahl an unterschiedlichen Wahlsystemen in der EU zu harmonisieren. Von 2017 bis 2020 war sie Mitglied der Lenkungsgruppe des Parlaments zum Brexit.

MEP Danuta Maria HübnerSondersitzung der Konferenz der Präsidenten zum Sachstand in Bezug auf den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU. V. l. n. r.: Guy Verhofstadt, Danuta Maria Hübner, Pedro Silva Pereira, Michel Barnier © Europäische Union 2019 - Europäisches Parlament

Sie wurde dreimal in den Exekutivausschuss des Europäischen Verbands der Entwicklungsforschungs- und Ausbildungsinstitutionen (EADI) in Genf gewählt (1987-1996). Von 1971 bis 2018 war sie Fakultätsmitglied der Wirtschaftsuniversität Warschau (wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Fakultät für Weltwirtschaft).

Was die ihr verliehenen Ehrentitel betrifft, ist sie unter anderem Trägerin des Offiziersordens der französischen Ehrenlegion, des Kaiser-Maximilian-Preises und des Tiroler Adler-Ordens, des Großkreuzes des portugiesischen Verdienstordens sowie des Ritterkreuzes des Ordens der Wiedergeburt Polens. Zudem wurde sie mit Ehrendoktorwürden der Universitäten Sussex, Sofia, Camerino, Posen und Valenciennes ausgezeichnet.

Weitere Informationen zu ihrer Zeit als MdEP finden sich hier.

Ausgewählte Plenarreden

In der Plenarsitzung vom 7. Oktober 2010 sprach Danuta Maria Hübner in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Ausschusses für regionale Entwicklung und Verfasserin einer mündlichen Anfrage an die Kommission über die EU-Kohäsions- und Regionalpolitik nach 2013:

In der Plenardebatte vom 11. Mai 2011 über die "Innovationsunion: Umwandlung Europas für eine Welt nach der Krise" betonte sie in ihrer Eigenschaft als Verfasserin der Stellungnahme des Ausschusses für regionale Entwicklung, dass eine effiziente Innovationsförderung gerade in Krisenzeiten enorm wichtig sei und warnte vor den Folgen eines möglichen Innovationsdefizits für Europa:

2015 war Danuta Maria Hübner Mitberichterstatterin über die Reform des Wahlrechts der Europäischen Union. In dieser Funktion präsentierte sie am 27. Oktober 2015 im Plenum eine Reihe von Vorschlägen, wie der Wahlakt von 1976 an die neuen Gegebenheiten in der Europäischen Union angepasst werden könnte:

In der Plenardebatte vom 9. Juni 2022 über die Forderung nach einem Konvent zur Überarbeitung der Verträge sprach sie sich nachdrücklich für einen Konvent aus. Sie wies darauf hin, dass die Konferenz zur Zukunft Europas gezeigt habe, dass ein Konvent der beste Weg zu den Verträgen sei, die die Union benötige, um die bevorstehenden Herausforderungen bewältigen zu können:

Was sich im Archiv befindet

Der Bestand von Danuta Maria Hübner enthält ihre Reden und andere öffentliche Äußerungen im Zeitraum 2009-2013, wobei die meisten im Hinblick auf ihre Tätigkeit als Vorsitzende des Ausschusses für regionale Entwicklung ebendieses Themengebiet betreffen. Den Großteil der Akten im Archiv machen Dokumente zu ihrer parlamentarischen Arbeit aus. Außerdem sind einige Akten zu den Sitzungen der Konferenz der Ausschussvorsitzenden aus dem Jahr 2014 vorhanden.